Nein, mit "Israelischer Sommer" sollen hier nicht die brütende Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit gemeint sein, die das ansonsten recht sonnige Klima (das muss nicht unbedingt etwas Gutes sein) des Mittelmeerlandes von Juli bis September in ein zuweilen unerträgliches Heißluftgebläse verwandeln; es ist eine von einigen Journalisten in Anlehung an die (de facto als gescheitert zu bezeichnenden) Aufstände des "Arabischen Frühlings" erfundene Wortkreation. Auch europäische Medien berichteten über die israelische Protestbewegung(en) der vergangenen Wochen in einem Ausmaß, wie man es in Bezug auf dieses Land nur im Kontext des alles andere vereinnahmenden und überdeckenden Nahostkonflitks kennt. Und müssen damit wohl einen großen Teil ihres Klientels gehörig verdutzt haben; schließlich höhlt der stete Tropfen den Stein, und somit assoziiert der durch eine entsprechende Medienberichterstattung konditionierte, durchschnittliche Europäer Israel gemeinhin mit
Pejes und Bart tragenden
ultraorthodoxen Juden (diese Gruppe macht knapp 10% der Bevölkerung aus, nichtsdestotrotz wird man so gut wie immer ein Foto eines Vertreters dieses Standes serviert bekommen wenn man in den Medien über ein Israel-Thema stolpert, und das ist eine politische und "rassische" (Um-)Definition, die den harmlosen Charakter eines Klischees massiv übersteigt und gefährlich ist), die nix besseres zu tun haben als Palästinenser in
Freiluftgefängnisse/Konzentrationslager zu stecken und einen zionistischen
Brutalo-Vernichtungs
krieg gegen Araber zu führen. Es gibt wohl kaum ein Land, bei/nach dessen Besuch sich die Wahrnehmung von und Einstellung zu selbigem dermaßen radikal ändert wie bei/nach einem Trip nach Israel. Was aber weniger am Land selbst liegt, sondern an den fernab der Realität liegenden Erwartungshaltungen, die ja durch fernab der Realität liegende Formen der Berichterstattung begründet sind.