27. November 2009

Twitter fressen Blog auf?


In seinem Journal setzte sich Martin Blumenau gestern mit einer Thematik auseinander, die mit vergleichsweise geringem zeitlichen Abstand aus der amerikanischen Blogosphäre zu uns rübergeschwappt ist. Spätestens seitdem A-List-Blogger Steve Rubel Ende Juni sein Blog eingestellt hat um sich hinkünftig nur mehr dem Flow (und damit ist hauptsächlich - aber nicht nur - Twitter gemeint) zu widmen, ist die Debatte über die Sinnhaftigkeit bzw. die Obsoleszenz des Mediums Blog voll entflammt.

Es ist auch irgendwie verständlich. Twitter ist effizient, simpel, offen, transparent und hat zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten. Natürlich wird man auch weiterhin desöfteren mit dem Stereotyp des am Häusl von der Beschaffenheit seines Stuhls berichtenden Twitterers konfrontiert werden; tatsächlich kann Twitter - entsprechende Anwendungskenntnisse vorausgesetzt - ein mächtiges Kommunikations- und Informationstool sein, durch das man - wenn man schon die öffentliche Konversation fürchtet - zumindest relativ zielorientiert Zugang zu relevanten Informationen bekommen kann. Mein Tipp an Newbies: Account anlegen, rumtesten, ein paar Searches tätigen, einigen interessanten Listen folgen.

Dass Leute, die sich bis vor nicht allzu langer Zeit in mehr oder weniger starkem Ausmaß einem Blog hingegeben haben, nun durch die Einfachheit der Real-Time-Medien dazu verleitet sind ihr Stammmedium dahin darben zu lassen, ist nachvollziehbar, wenngleich äußerst schade. Umso mehr, als diese Kommunikationskanäle schon aufgrund ihrer Beschaffenheit komplementär zueinander genutzt werden können.

Denn es kann ja niemand von den "Umsteigern" ernsthaft behaupten, dass sie nun in ihren Tweets die selben Inhalte transportieren wie vorher in ihren Blogbeiträgen. 140 Zeichen sind zwar perfekt geeignet um Links zu verteilen, Ideen grob zu umreißen, kurze Argumentationsstränge darzulegen, Meinungen kurz und prägnant kund zu tun. Und all das im hier und jetzt, mit der instantanen Reaktionsmöglichkeit einer potentiell unendlich großen Anzahl an Diskussionspartnern, die sich völlig unverbindlich ein- und wieder ausklinken können. Diese Flüchtigkeit stellt einerseits einen der großen Reize dieser Form der Kurz-Kommunikation dar, gleichzeitig ist sie jedoch auch der größte Schwachpunkt. Denn diese ephemeren Kommunikationsschnippsel sind ihrerseits in wenigen Tagen vergessen, umso mehr als es sich bei Twitter um ein sehr noise-haltiges Medium handelt.

Ein Blogbeitrag hingegen bietet die Möglichkeit, einen Gedankengang, eine Argumentationslinie, eine Ideenfolge, einen Standpunkt mit der nötigen Substanz und Ausführlichkeit zu schildern. Ohne Druck durch den 140-Zeichen-Countdown. Mit der Option, seinem Leser ein möglichst konzises Räsonnement zu liefern, alle Aspekte eines gegebenen Problems zu beleuchten, gegebenenfalls Multimedia einzufügen, seinerseits mit anderen Quellen zu verlinken. Und dieser Blogbeitrag ist dann nicht nur kurzzeitig existent. Er ist auch noch in Jahren abrufbar. Auch dort kann Kommunikation Interaktion stattfinden, in Form von Kommentaren. Und wem das nicht gefällt, der kann die Diskussion dann eben auf Twitter oder anderen Plattformen weiterführen, je nachdem, über welche Kanäle der Beitrag dann verteilt wird, bzw wer diesen Beitrag dann seinerseits aufgreift und ihn in Form eines Links um die Welt schickt (Facebook, Friendfeed, delicious zB).

Twitter erlaubt keine tiefgreifenden Analysen, Twitter fördert die (durch Rauschen zuweilen leicht beeinträchtigte) Konversation. Und dieser permanente Austausch (mit Einzelpersonen oder mit dem Twitterversum) führt erfahrungsgemäß zu neuen Ideen, neuen Erkenntnissen. Nur: wie kann man diese neuen Ideen, diese neuen Erkenntnisse denn besser aufbereiten und verarbeiten als durch die schriftliche Niederlegung in Form eines Blogposts? Könnte man letzteres nicht als Distillat jener zahlreichen Einflüsse betrachten, die durch die Mikro-Kommunikationstools auf uns einprallen? Nicht nur für die anderen (die dann ihrerseits wiederum den Blogpost als Diskussionsgrundlage heranziehen können), sondern vor allem auch für einen selbst? Um sich all jener ob der Informationsflut chaotisch umherschwirrenden Gedanken bewusst zu werden, sie in eine Form zu bringen, ihnen einen strukturierten Ordnungsrahmen zu verpassen?

Daher betrachte ich diese beiden scheinbaren Gegner als grundsätzlich komplementäre und sich gegenseitig befruchtende Kommunikationswege. Der Blog als "Hub", der Homebase sozusagen, die für die Schaffung eigenen, substanzvollen, langlebigen Contents ausgelegt ist und als Web-Anlaufstelle für die eigene Online-Identität fungiert auf der einen Seite; Twitter als (manchmal stark redundantes) Informations- und Mikro-Kommunikationsmedium, durch das ich fast täglich auf interessante Links und neue Quellen stoßen kann, und das es mir erlaubt, mich unkompliziert, unverbindlich, öffentlich und transparent mit anderen Leuten auszutauschen und neue Bande zu knüpfen auf der anderen Seite. Was dann wiederum zu neuen Ideen führt, die ich dann niederschreiben kann. Und dafür reichen 140 Zeichen nicht aus.

Wie gerufen: folgender Blogbeitrag auf wissenbelastet.com, ein ausgezeichnetes (wenn auch leicht selbstreferenzielles) Beispiel für diese potentielle Symbiose: #unibrennt auf Twitter, eine Analyse



Photo credits: Mike Licht, NotionsCapital.com + respress

26. November 2009

Kasparlamentarismus vs. Audimaxismus

Anlässlich der Wortgefechte im Parlament, Kleinkind-Gebaren rund um U-Ausschüsse und sogenannter Dialoge.

Als der damals noch am Anfang seiner politischen Karriere stehende GRÖFMAZ Karl-Heinz Grasser nach einer seiner ersten Nationalratssitzungen vom Parlament als seinem "persönlichen Kasperltheater" juxte, da war der Furor der Öffentlichkeit groß, kannte die geheuchelte Empörung der anderen Parteien zwar nicht keine, jedoch wenig Grenzen. Dabei war Grasser ja nur ehrlich (ja, auch das gab's einmal!) und wenn man die anderen Nationalratsabgeordneten am Lügendetektor, hoch und heilig die eine Hand einen Eid auf die Bibel ablegend, die andere zum großen Pfadfinder-Ehrenwort erhoben, auf das Leben der Mutter, des Vaters und überhaupt der ganzen Familie schwörend, fragen würde, auch sie würden zugeben müssen dass sie das mit dem Kasperltheater genauso sehen.

Wenn es mir einmal tatsächlich widerfährt, dass ich werktags vormittag die Live-Übertragung aus dem sogenannten Hohen Haus nebenbei laufen lasse, dann ist die dahinter steckende Motivation tatsächlich nicht die Hoffnung auf produktive und sachliche Debatten zu Gesetzesentwürfen. Denn Gesetze werden ja zumeist hinter verschlossenen Türen abgepackelt, und diese Türen befinden sich oft nichtmal im Parlament. Sogar der Begriff "Scheindebatten" erscheint angesichts der dort produzierten großen Menge heißer Luft - die eine mittelgroße Wüste vor Neid erblassen lassen könnte - deplatziert. Das Gefühl das mich angesichts des dort gelieferten ereilt entspricht am ehesten einer Mischung aus Belustigung und Fremdschämen. Und das ist auch schon der wesentliche Unterschied zwischen Urania und dem "Hohen Haus": denn während bei Kasperl & Co. die Belustigung des Publikums zumindest erwünscht ist, so sollten Parlamentarier doch eine andere Wirkung auf den Bürger haben als Pezi, Tintifax und Dagobert auf eine Heerschar an Kleinkindern.

So ist aber der parlamentarische Diskurs meist der Versuch einer Show für ein ohnehin schon entsprechend prädisponiertes Publikum. Was, es geht um Thema X? Wurscht, Hauptsache, ich kann den politisch Gegner attackieren, ein bisschen Wahlkampf betreiben (weil irgendwo sind immer irgendwann irgendwelche Wahlen), ein paar Schlagwörter platzieren und aus dem roten Lämpchen soviel herauskitzeln wie's nur geht ohne den Nationalratspräsidenten zu einer Wortmeldung zu zwingen.

Anders die Diskussions- und Entscheidungskultur im seit mittlerweile fünf Wochen besetzten Audimax. Anfangs belächelt, von Medien zuerst ignoriert, dann niedergemacht, hat der sogenannte Audimaxismus (ein heißer Kandidat auf das Wort des Jahres) in mehreren Ländern für Nachahmer gesorgt; hat sich die Medienlandschaft mittlerweile zwar nicht auf Seiten der Studierenden geschlagen (als ob es hier um "Seiten" ginge, aber ich trage nur dem borniert-simplifizierenden Lagerdenken Rechnung), so wurde immerhin ein öffentlicher Diskurs zu einem Thema losgetreten, den es sonst in dieser Form nie gegeben hätte. Natürlich ist dieser Diskurs weiterhin getragen von zahlreichen Stereotypen, ist die breite Masse auch weiterhin mit den einfachsten Taschenspielertricks hinters Licht zu führen.


Beispiele?

Jedes Mal wird einem im Rahmen einer Diskussion zu diesem Thema von den im Plenum Zigaretten rauchenden, Bier trinkenden und kiffenden Punks erzählt, die dort eh nur Party machen würden, Wände beschmieren und nichtmal zwei zusammenhängende sätze formulieren können. Selber dort gewesen? Nada. Ich habe mir jetzt schon persönlich die eine oder andere Debatte im Plenum gegeben und war jedes mal aufs neue erstaunt. Natürlich sitzen dort keine Leute in schönen Anzügen (Kleider machen ja bekanntlich Leute), halten zuweilen das Mikrofon in der einen, die Bierdose in der anderen Hand. Na und? Das meiste dort gesagte und beschlossene hat ein Mindestmaß an Hand und Fuss, die Wortmeldungen sind konzise vorgebracht, man ist nicht darauf aus eine Wahlbotschaft anzubringen, den politischen Gegner niederzumachen oder sich selbst schön reden zu hören. Party? Ja, natürlich gibt es die dort auch, aber dann später am Abend halt, verbunden oft mit entsprechenden Veranstaltungen (Konzerte, Kultur, Podiumsdiskussionen, Reden, Lesungen, Buchpräsentationen etc.), oder gehen NR-Abgeordnete am Abend in den Keller lachen?

Das mit den Beschmierungen war eine Kollateralschaden der ersten Handvoll Tage und ist schon längst vorbei.

Wie begegnete man diesen Protesten? Ignorieren, lächerlich machen, Öffentlichkeit manipulieren, aussitzen.
Punkt 1 und 2 haben sich nach einigen Tagen als nicht wirkungsvoll erwiesen (die Krone schwenkte dann gar um 180° um), weil die Protestbewegung auf vorzüglichste Art und Weise die Neuen Medien zu nutzen wusste.

Punkt 3 ist da schon heikler: nicht selten hört man, dass die 34 Mio. Euro, die Hahn gönnerhaft konzediert hatte doch als ausreichender Erfolg gewertet, die Proteste somit eingestellt werden könnten. Um auf das langfristige Ziel von 2% des BIP zu kommen bedarf es jedoch 1 Milliarde jährlich zusätzlich. Aber die meisten kaufen dem Minister diesen Almosen ab, schließlich sind 34 Millionen "eine Menge Geld!"; ja, für ein Land, das keine Ansprüche hat, die über jene eines Arbeiter- und Bauernstaates hinausgehen mag das wohl stimmen. Eine Gesellschaft hingegen, die was "auf sich hält" und langfristig ein gewisses Niveau an Kompetitivität haben will, das muss bereit sein dies auch entsprechend zu finanzieren.

Punkt 4 ist spätestens seit dem tatsächlich nur mehr als Verarschung zu bezeichnenden Hochschuldialog klar wie Kloßbrühe. Ein Treffen wochenlang auf sich warten lassen, Vernebelungsgranaten werfen, Selbstpreisungen, Einrichtung von (vollkommen einseitig zusammengesetzten) Arbeitskreisen. Ein Dialog im österreichischsten Sinn eben.

Dabei vergessen die Zaungäste eines: die Proteste geschehen nicht gegen den Willen der Unis. Die Rektoren stehen überwiegend hinter den Besetzungen. Was ihnen aufgrund systemimmanenter Feigheit nicht möglich war sollen jetzt die Studierenden erledigen. Und die sind dabei recht erfolgreich. Dennoch schaffen es die Rektoren auch jetzt nicht, Klartext zu sprechen und schlängeln sich diplomatisch um eine eindeutige Haltung herum.

Das Experiment "Audimaxismus" wird über kurz oder lang verschwinden. Der Kasparlamentarismus wird bleiben (und demnächst können dann auch Gehörbehinderte in den Genuss dessen Sitzungen kommen!), und dann heißt es wieder "bonjour tristesse". Was bleibt ist die Gewissheit, dass es auch in diesem Land anders gehen kann.



Photo credits:  karola riegler photography + karola riegler photography

25. November 2009

Heinz Fischer vs. Prompt-O-Bama

Vorgestern schrieb ich ja über den einschläfernd-monotonen Redestil UHBP und verglich seinen angegrauten (von hiesigen Medien als "ganz modern" titulierten) Webauftritt mit der Mutter aller Web2.0-Campaigns, nämlich jener von Obama. Nun kann letzterer natürlich unbestritten brilliante Reden schwingen, aber dennoch hat es während seines Wahlkampfs einige Situationen gegeben, in denen ein bösartigerweise ausgefallener Teleprompter ihn mächtig in die Bredouille zu bringen vermocht hat.

Dazu hier ein köstlicher Clip der News-Satire Organisation "The Onion".

23. November 2009

Doktor Heinz Fischer - Wahlkampf im Web2.0-Zeitalter (oder #heifi2010)


Desöfteren wurde zuletzt darüber spekuliert, wie und wann der amtierende Bundespräsident seine Wiederkandidatur bekannt geben würde. Nun weiß man es: "ganz modern" via Youtube sollte das Staatsoberhaupt sich an sein Land wenden; Erinnerungen an die Obama-Kampagne könnten da kurzzeitig wach werden, die seitdem auf der ganzen Welt vielfach kopiert, jedoch nie erreicht worden ist, und zwar weder von der Aufmachung, noch von der optimalen Nutzung zahlreicher Social Media Tools her und schon gar nicht was den originären "Spirit" betrifft, der der Obama-Campaign jene Authentizität verliehen hat, an die die mannigfaltigen billigen Klone nicht einmal ansatzweise herankommen.

Ok, also Youtube. Link angeklickt, und schon macht sich eine Mischung aus breitem Gähnen und breitem Grinsen breit. Von modernem Internet-Auftritt keine Spur. Staatstragend, klar strukturiert: ja. Mehr nicht. War auch nicht anders zu erwarten, würde auch nicht unbedingt dem Personal Brand entsprechen.

Zum Clip selbst: Altspatzen-Ambiente, Bild des Enkelkinds (Familienmensch!), drei Äpfel (gesundheitsbewusst!) und ein paar Blumen (naturverbunden!) am Schreibtisch. Beginn mit einem auf beschäftigt machenden Doktor Fischer, der gerade unglaublich wichtiges dahinkritzelt ehe ihn die Kamera in seinem gschaftigen Treiben "unterbricht", à la "Mir bleibt auch nix erspart!"; die Rhetorik ist die bekannt holprige, mitreißend ist was anderes, aber das war noch nie Fischers Metier. Jedenfalls ertappt sich so gut wie jeder Zuhörer irgendwann dabei wie die Gedanken ob der (ostentativen?) Monotonie und der gebotenen Plattitüden abzuschweifen beginnen.


Ansonsten: Neue Medien? Null. Auf einer Unterunterseite findet man dezente Hinweise auf Facebook und Twitter. Bissi anstreifen, aber bitte nicht mehr. Bezüglich Facebook ist anzumerken dass hier nicht einmal ein Link auf die ohnehin schon existierende Fischer-Page im Netz vorzufinden ist. Nicht, dass diese einen größeren Nutzen bieten würde, weil Updates sucht man dort vergebens. Und so dürftig wie Twitter hier erklärt wird sollte man sich nicht wundern wenn dieses Medium keine wirkliche Breitenwirkung haben wird. Zumal der Präsident bzw. dessen Wahlkampfteam ja nicht einmal einen eigenen Twitter-Account einrichten konnten. Zumindest konnte ich nichts dergleichen finden. Hauptsache, man fordert seine Anhänger dazu auf "sich in Netzwerken wie Facebook" zu "engagieren", trägt aber selbst nicht das mindeste dazu bei. Ein Twitter-Widget auf der Startseite? Haha, kostet wahrscheinlich zuviel Zeit (gestoppte 1,2 Minuten, plus Einbindung natürlich, siehe Bild rechts). Twub? Wos is des. Facebook-Widgets/Badges? Wüst mi pflaonzn?

Statt tatsächlich einen transparenten Dialog zu fördern werden dann halt öd-dumbe Statements in den Vordergrund gestellt, à la:

Dr.Heinz Fischer gab beim Vienna Night Run den Startschuß, und hat das gesamte Teilnehmerfeld angefeuert. Ich bin mir sicher, dadurch motiviert, war meine Leistung um ein paar Zehntel besser, und um den halben Ring lief es sich gleich viel leichter!
Aber was soll man sich auch mehr erwarten? Kann sich jemand an irgendwelche bedeutenden Taten eines Bundespräsidenten in den letzten drei Jahrzehnten erinnern (und damit ist nicht der eine Präsident gemeint, der durch seine vorbildhafte (da typisch österreichische) Aufarbeitung seiner Vergangenheit sein Land in die internationale Isolation geführt hat)? Ich erinnere mich da nur an einen Klestil, der zuerst Humpti-Dumpti und Thomas Prinzhorn als Minister ablehnte, um dann das erste Schwarz-Blaue Kabinett mit der frostigsten Miene aller Zeiten anzugeloben. Ansonsten lautet die Devise: ja nicht anecken! Die Erwartungshaltung der österreichischen Bevölkerung macht es dem Inhaber dieses Amts ja auch nicht wirklich schwer. Die Maxime: um möglichst erfolgreich zu sein und um sich als erfolgreicher Präsident in die Annalen der Geschichte und das kollektive Gedächtnis des Österreichers einzutragen sollte man eigentlich möglichst unauffällig bleiben (DOKTOR zu sein kann auch nicht schaden). Warum das so ist vermag keiner zu erklären. War halt wohl schon immer so. Und was schon immer so war sollte auch so bleiben. Pfeiff auf die nicht einmal gar so unbedeutenden, in der Verfassung festgeschriebenen Rechte des Bundespräsidenten. Mancheiner würd sich geradezu wundern was der eigentlich alles darf. Viel mehr als Startschuss-Pistole abfeuern bei einem Lauf-Event!

Mal abwarten ob die ÖVP jetzt auch was liefert; schaut aber nicht wirklich danach aus, denn nach der debakulös-peinlichen Krone-Kampagne (in der alle Dichand-Schreibtisch-Soldaten "Feuer Frei!" Richtung Fischer erhalten haben und ihn mit der von diesem Blatt sattsam bekannten ""Sachlichkeit"" auseinanderzunehmen versuchten um dem Doppel-Pröll-Traum des Alten von der Muthgasse Vorschub zu leisten), in die sich die Volkspartei nolens volens reinziehen hat lassen ohne zu wissen wie ihr geschah, wird man sich wohl eher zurückhaltend zeigen und weiterhin auf das große Ziel, die Weltherrschaft Kanzlerschaft hinarbeiten (auf dass zumindest die eine Hälfte des Dichand'schen Traums in Erfüllung gehen möge!).

Photo Credits: Manfred Werner + selbst erstellt.

19. November 2009

"FPÖ nicht ausschließen" - warum nicht?


Es wird zwar nicht explizit genannt, es schwingt jedoch mit: das Unwort "Ausgrenzung". Seit den 90ern geistert es - vor allem in Bezug auf bewusst entlang des rechten blau/orange/braunen Randes torkelnden Parteien - in der österreichischen Politiklandschaft herum, wird mal vom vermeintlichen Opfer selbiger ins Treffen geführt, mal von den anderen Parteien.

Ich fand das Wort schon damals ziemlich fehl am Platz. Warum Hetzer und Scharfmacher, deren einziges Ziel es war und ist, Politik durch Kriminalisierung, Dämonisierung, Ausgrenzung und somit auf Kosten bestimmter Minderheiten zu betreiben, für sich auf weinerliche Art und Weise diesen Ausdruck in Täter-Opfer-Umkehr-Manier in Anspruch nehmen konnten, das wollte mir nie rein. Nicht nur blieb diese Begriffswahl unwidersprochen, nein: sie wurde auch noch von den anderen Playern übernommen. So mahnte Wolfgang Schüssel mehrmals, man dürfe niemanden ausgrenzen. Im vorgeblichen Vertrauen darauf, die Rechten "entzaubern" zu können, wurde aus der Nicht-Ausgrenzung eine langjährige Koalition. Mit bekanntem Resultat: das rechte Spektrum erscheint nach nunmehr 10 Jahren alles andere als entzaubert, es ist - Blau und Orange zusammengerechnet - stärker als damals die FPÖ unterm Jörgl.

Dennoch kokettieren in regelmäßigen Abständen SPÖ- und ÖVP-Politiker auf unterschiedlichen Ebenen aus einem als solchem empfundenen parteipolitischem Kalkül mit dem attraktiven Rabauken-HC. Die jüngste im Bunde: die designierte Nachfolgerin des sich nach Brüssel vertschüssenden Johannes Hahn als Wiener VP-Chefin, Christine Marek. "Eine Frage des Stils" sei es, niemanden von vornherein auszuschließen. Man müsse halt schauen, ob es nach der Wahl nicht vielleicht einen "Konnex" geben würde. Warum man der in allen Belangen Partei gewordenen Stillosigkeit FPÖ mit "Stil" entgegen kommen müsse, das müsste man sich dann halt schon fragen. Ist dieser ÖVP-"Stil" nicht stillos gegenüber jenen Gruppen, die permanent Ziel der hetzerischen Ausritte blauer Politiker werden? Kann es so etwas geben wie Stillosigkeit gegenüber schlagenden Burschenschaftern, die ihrerseits bis aufs extremste ausgrenzen und bewusst augenzwinkernd und provokant mit einem System, einer Ideologie flirten, die das Prinzip der "Ausgrenzung" in ihren Konzentrationslagern bis zur Perfektion ausgeführt hat?

Marek sollte vielleicht bei Parteikollegen Sausgruber nachfragen, der vor kurzem durch entschlossene "Ausgrenzung" der FPÖ nach Dieter Eggers "Exiljuden"-Sager einen satten Wahlerfolg einfahren konnte. Bleibt zumindest zu hoffen, dass Mareks Denke bezüglich einer eventuell veränderten FPÖ nach der Wahl bloß vorgegaukeltes pseudo-staatsmännisches Konsens-Gehabe ist und nicht hymengeruchsgetränkte jungfräuliche Arglosigkeit. Ein Wunder eigentlich nur, dass sich der nicht gerade als FPÖ-Freund geltende Erhard Busek ganz besonders für Marek stark gemacht hat. Denn dieser hat durch seine Positionierung gegenüber den Blauen schon desöfteren klar zum Ausdruck gebracht, dass ein Cordon sanitaire um dieses Gedankengut keine Frage des Stils, sondern der Moral ist.

Photo Credit: ÖVP / Jakob Glaser

18. November 2009

Die "Homo-Ehe" ist in Österreich gelandet


Zur gestrigen - wenig überraschenden - Entscheidung des Ministerrats zum Thema "Homo-Ehe".

"Nicht mehrheitsfähig" seien weitreichendere Zugeständnisse innerhalb der ÖVP, versuchte Innenministerin Fekter zu argumentieren, weil so ist das eben in Verhandlungen: was nicht "mehrheitsfähig" ist, das kann auch nicht zur Debatte stehen. Dabei ist diese "Mehrheitsunfähigkeit" natürlich ein exogener Faktor, nicht beeinfluss- und somit nicht verhandelbar.

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