23. November 2009

Doktor Heinz Fischer - Wahlkampf im Web2.0-Zeitalter (oder #heifi2010)


Desöfteren wurde zuletzt darüber spekuliert, wie und wann der amtierende Bundespräsident seine Wiederkandidatur bekannt geben würde. Nun weiß man es: "ganz modern" via Youtube sollte das Staatsoberhaupt sich an sein Land wenden; Erinnerungen an die Obama-Kampagne könnten da kurzzeitig wach werden, die seitdem auf der ganzen Welt vielfach kopiert, jedoch nie erreicht worden ist, und zwar weder von der Aufmachung, noch von der optimalen Nutzung zahlreicher Social Media Tools her und schon gar nicht was den originären "Spirit" betrifft, der der Obama-Campaign jene Authentizität verliehen hat, an die die mannigfaltigen billigen Klone nicht einmal ansatzweise herankommen.

Ok, also Youtube. Link angeklickt, und schon macht sich eine Mischung aus breitem Gähnen und breitem Grinsen breit. Von modernem Internet-Auftritt keine Spur. Staatstragend, klar strukturiert: ja. Mehr nicht. War auch nicht anders zu erwarten, würde auch nicht unbedingt dem Personal Brand entsprechen.

Zum Clip selbst: Altspatzen-Ambiente, Bild des Enkelkinds (Familienmensch!), drei Äpfel (gesundheitsbewusst!) und ein paar Blumen (naturverbunden!) am Schreibtisch. Beginn mit einem auf beschäftigt machenden Doktor Fischer, der gerade unglaublich wichtiges dahinkritzelt ehe ihn die Kamera in seinem gschaftigen Treiben "unterbricht", à la "Mir bleibt auch nix erspart!"; die Rhetorik ist die bekannt holprige, mitreißend ist was anderes, aber das war noch nie Fischers Metier. Jedenfalls ertappt sich so gut wie jeder Zuhörer irgendwann dabei wie die Gedanken ob der (ostentativen?) Monotonie und der gebotenen Plattitüden abzuschweifen beginnen.


Ansonsten: Neue Medien? Null. Auf einer Unterunterseite findet man dezente Hinweise auf Facebook und Twitter. Bissi anstreifen, aber bitte nicht mehr. Bezüglich Facebook ist anzumerken dass hier nicht einmal ein Link auf die ohnehin schon existierende Fischer-Page im Netz vorzufinden ist. Nicht, dass diese einen größeren Nutzen bieten würde, weil Updates sucht man dort vergebens. Und so dürftig wie Twitter hier erklärt wird sollte man sich nicht wundern wenn dieses Medium keine wirkliche Breitenwirkung haben wird. Zumal der Präsident bzw. dessen Wahlkampfteam ja nicht einmal einen eigenen Twitter-Account einrichten konnten. Zumindest konnte ich nichts dergleichen finden. Hauptsache, man fordert seine Anhänger dazu auf "sich in Netzwerken wie Facebook" zu "engagieren", trägt aber selbst nicht das mindeste dazu bei. Ein Twitter-Widget auf der Startseite? Haha, kostet wahrscheinlich zuviel Zeit (gestoppte 1,2 Minuten, plus Einbindung natürlich, siehe Bild rechts). Twub? Wos is des. Facebook-Widgets/Badges? Wüst mi pflaonzn?

Statt tatsächlich einen transparenten Dialog zu fördern werden dann halt öd-dumbe Statements in den Vordergrund gestellt, à la:

Dr.Heinz Fischer gab beim Vienna Night Run den Startschuß, und hat das gesamte Teilnehmerfeld angefeuert. Ich bin mir sicher, dadurch motiviert, war meine Leistung um ein paar Zehntel besser, und um den halben Ring lief es sich gleich viel leichter!
Aber was soll man sich auch mehr erwarten? Kann sich jemand an irgendwelche bedeutenden Taten eines Bundespräsidenten in den letzten drei Jahrzehnten erinnern (und damit ist nicht der eine Präsident gemeint, der durch seine vorbildhafte (da typisch österreichische) Aufarbeitung seiner Vergangenheit sein Land in die internationale Isolation geführt hat)? Ich erinnere mich da nur an einen Klestil, der zuerst Humpti-Dumpti und Thomas Prinzhorn als Minister ablehnte, um dann das erste Schwarz-Blaue Kabinett mit der frostigsten Miene aller Zeiten anzugeloben. Ansonsten lautet die Devise: ja nicht anecken! Die Erwartungshaltung der österreichischen Bevölkerung macht es dem Inhaber dieses Amts ja auch nicht wirklich schwer. Die Maxime: um möglichst erfolgreich zu sein und um sich als erfolgreicher Präsident in die Annalen der Geschichte und das kollektive Gedächtnis des Österreichers einzutragen sollte man eigentlich möglichst unauffällig bleiben (DOKTOR zu sein kann auch nicht schaden). Warum das so ist vermag keiner zu erklären. War halt wohl schon immer so. Und was schon immer so war sollte auch so bleiben. Pfeiff auf die nicht einmal gar so unbedeutenden, in der Verfassung festgeschriebenen Rechte des Bundespräsidenten. Mancheiner würd sich geradezu wundern was der eigentlich alles darf. Viel mehr als Startschuss-Pistole abfeuern bei einem Lauf-Event!

Mal abwarten ob die ÖVP jetzt auch was liefert; schaut aber nicht wirklich danach aus, denn nach der debakulös-peinlichen Krone-Kampagne (in der alle Dichand-Schreibtisch-Soldaten "Feuer Frei!" Richtung Fischer erhalten haben und ihn mit der von diesem Blatt sattsam bekannten ""Sachlichkeit"" auseinanderzunehmen versuchten um dem Doppel-Pröll-Traum des Alten von der Muthgasse Vorschub zu leisten), in die sich die Volkspartei nolens volens reinziehen hat lassen ohne zu wissen wie ihr geschah, wird man sich wohl eher zurückhaltend zeigen und weiterhin auf das große Ziel, die Weltherrschaft Kanzlerschaft hinarbeiten (auf dass zumindest die eine Hälfte des Dichand'schen Traums in Erfüllung gehen möge!).

Photo Credits: Manfred Werner + selbst erstellt.

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