2. Dezember 2009

Murdoch vs. Google - Pyrrhussieg im Kampf der Giganten?


Angesichts der jüngsten Meldung rund um das "Entgegenkommen" von Google im seit Monaten schwelenden Konflikts rund um ein mögliches Aussperren des Suchgiganten aus dem News Corp. Medienimperium des Rupert Murdoch könnte man tatsächlich von einem Erfolg von letzterem ausgehen.

Seit Monaten fuchtelt der Medienmogul mit der Drohung, Google aus seinem gesamten Content auszusperren um seinerseits sogenannte Paywalls einzurichten. Um gleichzeitig eine Liaison mit Bing, dem jüngsten Herausforderer am Suchmaschinenmarkt aus dem Hause Microsoft, anzudenken. Angestachelt durch das Vorpreschen Murdochs und den immer stärker spürbaren Verlusten in ihren traditionellen Märkten kündigten auch andere Medienhäuser an, dass sie sich dieser Strategie anschließen würden. Auch Oscar Bronner erwähnte diese Variante - wenngleich in einem vollkommen unpassenden Kontext - in seiner Rede letzte Woche im Rahmen des Mediengipfels in Lech.

Mehrere Stimmen haben  Murdoch davor gewarnt zu versuchen, den "Geist wieder in die Flasche" stecken zu wollen, wie es Twitter-Gründer Biz Stone treffend formulierte. Auch zahlreiche Warnungen, denen zufolge eine De-Indexierung äußerst negative Konsequenzen für den Traffic der betreffenden Websites hätte, konnten Murdoch nicht von seiner strikten Kampflinie abbringen.

Nun wird also vermeldet dass Google nachgegeben hat. Dabei arbeitete Google angeblich schon an einer derartigen "First Click Free"-Lösung lange bevor Murdoch zu drohen begann. Sei es wie es sei. Was werden die Konsequenzen dieses "Olivenzweigs" sein, den Google hier zu reichen scheint? Wie werden sich die anderen Medienplayer verhalten? Könnte dieses Angebot tatsächlich ein trag- und lebensfähiges Modell darstellen, und zwar für alle am Markt präsenten Anbieter entlang der Versorgungskette?

Interessant ist jedenfalls der verfolgte Ansatz. Während Murdoch droht, pflegt Google eine Strategie der Umarmung. Und es könnte eine tödliche sein. Google Manager Josh Cohen zeigt in seinem Blogpost zwar einen offenen, amikalen, kooperativen, konzilianten Ton (was angesichts des unprofessionellen Gebells Murdochs und anderer Medienplayer, die in Google die Wurzel allen Übels sehen, äußerst angenehm wirkt), jedoch kündigte er nüchtern und ohne Umschweife an, was Paywalls für Auswirkungen auf den Traffic haben würden:

The ranking of these articles will be subject to the same criteria as all sites in Google, whether paid or free. Paid content may not do as well as free options, but that is not a decision we make based on whether or not it's free. It's simply based on the popularity of the content with users and other sites that link to it.
Die Frage die sich also stellt ist folgende: werden die Einnahmen aus kostenpflichtigen Angeboten die finanziellen Nachteile des weitaus geringeren Traffics, der stark reduzierten Verlinkungs- und Kommentaraktivität ausgleichen können? Ich persönlich meine: Nein. Und Google denkt das höchstwahrscheinlich auch. Statt sich aber auf einen offenen Konflikt einzulassen beherzigt man das Konzernmotto "Don't be evil!" und bietet mit dieser Scheinlösung den rigiden Old-School-Playern die Möglichkeit, elegant aus eigener Kraft auf die Fresse zu fallen und ihre eigenen Unzulänglichkeiten durch eigenes Verschulden vorgehalten zu bekommen.

Das wahrscheinlich weitaus problematischere daran: während sich die Branche durch diese Scheinlösung und den vermeintlichen Erfolg im Kampf gegen Google in Sicherheit wähnt geht kostbare Zeit für die Suche nach richtigen, nachhaltigen Geschäftsmodellen verloren. Die Profiteure werden diejenigen sein, die rechtzeitig auf den Zug aufgesprungen (bzw rechtzeitig von alten Zug abgesprungen) sind, und derer gibt es doch einige. Vielleicht wird dies Thema eines zukünfitgen Blogbeitrags sein.


Photo credit: índio

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