24. Januar 2010

com.sult 2010 - Consulting-Kongress in Wien


Ich könnte hier jetzt vieles zum Thema Consulting-Branche schreiben, und es wäre nicht viel schmeichelhaftes dabei. Ich habe meine Meinung zu Teilen dieses Berufszweigs (man sollte ja natürlich niemals generalisieren!) aber dennoch stellt er einen aus der wirtschaftlichen und politischen Realität nicht wegzudenkenden Faktor dar, der in zahlreichen politischen und unternehmerischen Entscheidungen eine wichtige Rolle spielt.

Wo eine Branche, da ein Kongress - dachte sich wohl zumindest David Ungar-Klein, als er 2004 den Wiener Consulting-Kongress com.sult ins Leben rief, um dort sein internationales Publikum mit illustren Stargästen aus allen möglichen Bereichen zu beglücken. Ich persönlich konnte mit dieser Seitenblicke-Lugner-Opernballgast-Mentalität nie wirklich etwas anfangen, aber wenn es dem Organisator gelingt für seine darob verzückten Gäste Kapazunder à la Bill Gates (2004), Jack Welch (2005), Shimon Peres (2006), Michael Eisner (2007) oder Steve Forbes (2008) ins kleine Wien zu lotsen, dann bleibt einem einfach nichts anderes übrig als zu sagen: Chapeau! Auch heuer hat man mit Buzz Aldrin und Howard Dean abermals zwei klingende Namen verpflichten können.

Der heurige Kongress (26. Jänner) läuft unter dem Motto "Shape the Future". Das Programm verspricht einige interessante Themen. Aber eine Sache sticht doch ins Auge: zwar lautet das Generalthema "Shape the Future" und wurde Howard Dean unter anderem mit der Begründung geholt, dass er "mit seinem Internet-Wahlkampf 2003-2004, einer Kombination von Weblog, Online-Wahlkampfspenden und der Online-Organisation von Zusammenkünften seiner Anhänger, den Wahlkampfstil der Demokratischen Partei" revolutionierte; was die Programmierung der Workshops betrifft gibt es jedoch nur ein einziges Panel (IKT Strategie 2030: Mehr IKT, mehr Effizienz) das sich eventuell ansatzweise minimalst mit dem äußerst dynamischen Bereich der Neuen Medien und deren Nutzungsmöglichkeiten auseinandersetzen könnte; wobei mich die Workshop-Beschreibung und die Wahl der Gäste (vor allem aus dem Infrastrukturbereich) ohnehin stark daran zweifeln lassen.


Dabei bieten gerade die innovativen und in erhöhter Schlagzahl auftauchenden Instrumentarien des digitalen Wandels zahlreiche Möglichkeiten, verschiedenartigste Organisationsprozesse einer von Grund auf erneuerten, effizienteren Gestaltung zu unterziehen. Letztes Jahr ist man in einem auch entsprechend betitelten Workshop auf dieses Thema eingegangen. Das Niveau war ein relativ bescheidenes, es schwankte zwischen von Teilen des Podiums und des Publikums genährter stereotypenbehafteter, ostentativer Belustigung einerseits und den Bemühungen einer handvoll an Leuten andererseits, die vielfältigen Potentiale der Neuen Medien aufzuzeigen. Was leider dazu führte dass man sich bald in sinnlosen Diskussionen über offen zur Schau gestellte Privatfotos auf Facebook und ähnliches verhedderte.


Tatsache ist jedoch, dass diese Neuen Medien nicht nur zahlreiche unternehmensrelevante Prozesse nachhaltig verändern und verändern werden, sondern natürlich und vor allem auch den Alltag der "Normalsterblichen". Das betrifft zum Beispiel die zwischenmenschliche Kommunikation (bspw der teilweisen "Facebook-isierung" selbiger) und auch unser Medienkonsumverhalten generell (zB das baldige Aussterben des Printbereichs). Ich würde also doch meinen, dass es Consultants zupass kommen würde sich auch in diesem Bereich neues Wissen anzueignen, um ihren Klienten entsprechende mögliche Strategieadjustierungen vorschlagen zu können (bspw in der externen Unternehmenskommunikation). 2009 scheint hier der Turning Point gewesen zu sein, haben diese Neuen Medien wohl definitiv den Sprung aus der Nerd-Ecke geschafft und ihren Anspruch auf einen fest verankerten Platz in unserem privaten und professionellen Alltag eindrucksvoll gefestigt. Diese Entwicklung wird nicht nur durch exponential steigende Nutzerzahlen untermauert, sondern auch durch großzügige Investitionsportfolios, die mitunter auch bedeutende Unternehmen in diesen Bereich aufzubringen bereit sind, um eben diesen neuen Herausforderungen gerecht zu werden. Panele in deren Titel "Strategie 2030" aufscheint mögen zwar reißerisch-visionär klingen, auf mich wirken sie eher bemüht-utopisch und entbinden das Podium aufgrund des überlangfristigen Horizonts jeglicher Bemüßigung, dem Publikum Konkretes zu präsentieren, das über Schlagwort- und Allgemeinplätze-Dropping und das unklar-schemenhafte Umreißen zukünftiger Perspektiven hinausgehen könnte.

[Mein - weil extrem euphemistisch betitelter - "Lieblings"-Workshop wäre ja sowieso "Rumänien: Ziel für Investments nach der Krise", da ich mir ziemlich sicher bin dass dieses Land nicht einmal ansatzweise auf dem Weg der Besserung ist, sondern das schlimmste noch bevor steht]


Nichtsdestotrotz freue ich mich auf einen spannenden Kongress und werde - um diesem doch relativ statisch erscheinenden Event zumindest einen kleinen Touch Neuen-Medien-Winds angedeihen zu lassen - meine Eindrücke Real Time via Twitter kommunizieren. Hierzu werde ich den Hashtag #comsult verwenden. Ein jeder ist eingeladen sich daran zu beteiligen!

Photo credits: www.com.sult.cc

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