19. Januar 2010

Der Österreichische Film und die (Nicht-)Ursachen seines Erfolgs


Man kennt die Szenerie, aus Kitzbühel und Schladming etwa: ein österreichischer Skirennläufer gewinnt ein Rennen, zehntausende sind live vor Ort und noch einmal ein paar hunderttausend via TV dabei. Und in der ersten Reihe der Gratulanten finden sich ein paar politische Vertreter, die sich auch ein wenig im Glanz des Siegers sonnen wollen, schließlich kann das imagetechnisch vor einer großen Kulisse niemals schaden. Ähnliches spielt sich verständlicherweise auch in anderen Bereichen ab. Man erinnere sich an den Literaturnobelpreis für Elfriede Jelinek. Oder eben an die zahlreichen Auszeichnungen im Filmbereich. Der Unterschied: während der ÖSV eine finanziell über alle Maßen ausgestattete Organisation ist, die ihren Sportlern die weltbesten und professionellsten Rahmenbedingungen zur Entfaltung ihres Talents und zur Ausübung ihres Sports zur Verfügung stellt, gilt das für den Filmbereich nicht einmal ansatzweise. Hier kann man ohne weiteres davon sprechen, dass die zahlreichen Erfolge der jüngeren Vergangenheit nicht dank, sondern trotz des österreichischen Backgrounds der Protagonisten zustande gekommen sind.

Christoph Waltz zum Beispiel: den in Wien geborenen Spross einer richtigen Theater-Familie zieht es schon gleich nach der Schule ins Ausland. Beruflich hat er mit Österreich nur noch sporadisch, und das auch nur am Rande zu tun, sein künstlerischer Lebensmittelpunkt ist es aber nicht (ich erinnere mich immerhin, ihn einmal in einer "Komissar Rex"-Episode gesehen zu haben!).

Michael Hanekes "Das Weiße Band" wurde zwar vom ORF mitfinanziert; allerdings nur mit einem Minderheitenanteil. Konsequenz: der Film wird nun von Deutschland und nicht von Österreich für den Oscar vorgeschlagen; fast zeitgleich mit der Goldenen Palme in Cannes für Haneke im vergangenen Jahr wollten die Küniglberger gar das Film-/Fernseh-Abkommen aufkündigen. Was die Politik betrifft, so konnte diese sich jahrelang nicht und nicht zur versprochenen und angekündigten Steigerung der Filmförderung durchringen. Zumindest an dieser Front scheint da jetzt seit kurzem endlich die Situation beruhigt zu haben. Wenn man sich also vor Augen führt, was die an Potentialen sicherlich nicht arme österreichische Filmwirtschaft in den vielen Jahren des finanziellen Dahindarbens zusätzlich hätte leisten können, dann wirken die Jubelchöre aus den einschlägigen Kreisen doch ziemlich deplatziert.

Photo Credit: pedrosimoes7

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