13. April 2010

Soup.io - Auf der Tumblelog-Suppe dahergeschwommen

Facebook, Twitter, Blogs, etc. Die letzten Jahre haben zahlreiche neuartige Intrumente das Licht der Online-Welt erblicken lassen, die die bestehenden Kommunikations- und Informationsstrukturen maßgeblich beeinflusst und verändert haben. Dabei hat jedes dieser Tools eine eigene Ausrichtung, könnte man jedes nach unterschiedlichsten Kriterien kategorisieren.

Ich spiel mich ja gerne mit diesen Sachen, und daher habe ich mir zusätzlich zu meinen bisherigen Distributionskanälen einen weiteren zugelegt: einen Tumblelog.

Was das ist? Nun ja, grob formuliert: eine Unterform des Blogs (im weiteren Sinne). Letzteren könnte man folgendermaßen kurz charakterisieren: intensive Auseinandersetzung mit einem Thema, Kommentar und Reflexion zu selbigem, Erklärung von Gedankenkomplexen, Teilen von Erfahrungen und ähnliches.

Der Tumblelog gehört zu der Familie der Microblogs, die spätestens seit Twitter fast jeder kennt - bewusst oder unbewusst. Während Twitter hier vor allem aufgrund seiner Vorteile im Bereich der unkomplizierten Real-Time-Information eine absolute Dominanz aufgebaut hat konnten in verschiedenen Nischen viele weitere Dienste sprießen, die jeweils ein eigenes Marktsegment abdecken. Tumblelogs bedienen dabei die Bedürfnisse jener User, die Informationsschnipsel unterschiedlichster Art (Text, Bild, Audio, Video) unkompliziert einer Öffentlichkeit präsentieren wollen.

Auf mich ungelegt bedeutet das folgendes: über bestimmte Kanäle habe ich bei Bedarf täglich die Möglichkeit, zahlreiche unterschiedliche solcher Informationsschnipsel zu konsumieren; der Fokus liegt hierbei auf interessanten Bildern und Videos, denen ich einen irgendwie gearteten Unterhaltungswert oder einen künstlerischen Gehalt beimesse. Um andere jetzt auch an diesen "Entdeckungen" teilhaben zu lassen hätte ich mehrere Möglichkeiten:

- Email: bäääh.. mittlerweile hat sich in meinem Bekannten- und Freundeskreis - bis auf 2 Ausnahmen - die Einsicht durchgesetzt, dass es schon irgendwie ziemlich lästig sein muss, anderer Leute Inbox mit derartigen Inhalten zuzumüllen. Umso mehr, als dies ein sehr limitierter - weil uni- bzw maximal bilateraler - Zugang ist: so gibt es bspw keine Möglichkeit zum Feedback oder zur einfachen Weiterverbreitung (Kommentar, "Like", Re-share/post/blog/tweet), keine Archiv-Möglichkeit, unübersichtlich ist das ganze auch noch, und überhaupt.

- Facebook: Vorteil gegenüber Email: Multilaterale Interaktionsmöglichkeiten und potentiell viral weil Feedback-Möglichkeiten (Kommentar, "Like", Re-Share), nicht aufdringlich weil Stream-basiert (meine Adressaten sind nicht gezwungen sich mit meinem Post auseinanderzusetzen), User-generiertes Ranking entsprechend der User-Aktivität ("Top-News" vs. "Most Recent"), Archiv-Funktion kommt auch noch hinzu.

- Twitter: Toll für Text (inkl. Links), weniger toll für Videos und vor allem Bilder. Immerhin die Möglichkeit des Re-Tweets und des Markierens als Favorite.

- Soup.io: alle Vorteile von Facebook. Nur dass hier niemand das Gefühl bekommen muss ich würde ihn mit lauter Spam zuschütten. Würde ich auf Facebook mehr als 3 Items am Tag posten würd's den Leuten am Arsch (vorbei)gehen, was sie mit (un)bewusstem Ignorieren bzw dem "Hide"-Button (den erfahrungsgemäß eh fast niemand kennt) quittieren würden. Auf meinem Tumblelog poste ich schnell und einfach all diesen "Müll", wer Lust hat schauts sich's mal kurz an, scrollt runter (endless scrolling!!) und tschüss, verpassen kann man sowieso nix, weil dafür die Relevanz einfach fehlt.

Warum Soup.io?

Natürlich hätte es da noch viele Alternativen gegeben. Zb den absoluten Marktführer Tumblr. Oder die Nummer zwei Posterous. Es liegt sicherlich nicht daran dass Soup.io ein österreichisches Unternehmen ist, denn sowas wie (Pseudo-)Patriotismus gibt's für mich ohnehin nicht, schon gar nicht in diesem Bereich. Soup.io ist den beiden zuvor genannten Kontrahenten in den meisten Belangen sogar unterlegen. Vor allem was die Anpassungsmöglichkeiten des Designs betrifft bzw die Verfügbarkeit von Themes.

Der große Vorteil der Suppe: das Ding ist herrlich einfach und intuitiv zu bedienen, kann und macht haargenau das was man will, nicht weniger und (leider noch) nicht mehr. Bilder werden sehr groß dargestellt (da happert's bei posterous und Tumblr), für's re-posten braucht es einen einzigen Knopfdruck, das Posten (auch via Bookmarlet) ist sowieso kinderleicht.

Natürlich würde man sich eine weitaus größere funktionstechnische und designmäßige Vielfalt wünschen. So ist zB das Implementieren von Analytics-Tools beim Mitbewerb selbstverständlich (das geht auch bei soup.io, allerdings nur via Workaround), genauso wie eine stattliche Auswahl an Themes (hier ist Tumblr besonders stark). Aber bei soup.io klappt einfach alles, und das ruck-zuck.

Leider scheint das Unternehmen laut eigenen Angaben zur Zeit sehr viel mit sich selbst beschäftigt zu sein, bzw mit den Widrigkeiten die einem kleinen Start-Up - vor allem im Social Media-Bereich und da vor allem in Österreich - die Suppe versalzen können. Hoffentlich wird zumindest dieser Part demnächst abgehakt sein.

Schließlich warte ich auf mehr.

Schließlich will ich ja nicht wie der Suppenkasper enden.

Mahlzeit.

[Link zu meiner Soup]

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