24. Juli 2010

Facebook so groß wie die EU - Eine Zwischenbilanz zwischen Mythen und Realität

Facebook und EU, die beiden haben natürlich nicht wirklich was miteinander gemeinsam. Außer eben die Tatsache dass sie quasi zeitgleich (bei der EU ist das wohl nicht so punktgenau messbar wie bei Facebook) die 500 Millionen-User/-Bürger-Marke überschritten haben. Ist halt ein lustiger Zufall. Mehr nicht.

Aber es ist schon recht interessant, sich einmal die Dimensionen des relativ jungen sozialen Netzwerks anhand eines derartigen Vergleichs vor Augen zu führen. Natürlich ist dabei nicht nur die schiere Zahl imposant; viel beeindruckender ist die Art und Weise, wie Facebook unser aller (bzw unser meister) Leben verändert hat. Es hat, schleichend aber doch, unsere Informations- und Kommunikationsprozesse und -Verhaltensweisen maßgeblich beeinflusst.
Sich an Geburtstage erinnern müssen oder sie am Handy eintragen? Die eigene Party per SMS oder Email organisieren? Die Fotos dieser Party per Mail/CD an Interessierte weiterreichen? Einen lesenswerten Link an einen Email-Verteiler schicken? Das war alles einmal. Und hierbei verhält es sich so wie mit der gerade sengend-unerträglichen Hitze: man vermag sich fast nicht mehr daran erinnern zu können dass man vor 4 Monaten mit Handschuhen und Haube der Kälte trotzden musste, die Short, die 3 Duschen am Tag und die zahlreichen, an unterschiedlichen Outdoor-Locations verbrachten Abende/Nächte haben sich schon regelrecht eingebrannt (im wahrsten Sinne des Wortes). Das waren natürlich nur einzelne, paradigmatische, randomly herausgegriffene Beispiele, und jeder wird da seine eigenen Präferenzen und bevorzugten Anwendungsweisen haben.

Und natürlich meckern unglaublich viele Leute über Facebook. Was eh ok ist. Wenn ein bestimmtes Phänomen einen (gesamt-gesellschaftlich gesehen) großen und weiterhin steigenden, nachhaltigen Einfluss auf unser Leben hat, dann sorgt das natürlich für Diskussionen. Und letztere sind ja oft nicht rational. Nicht, dass dieses Phänomen nicht einer kritischen Betrachtung zugeführt werden solle. Aber gerade hier prallt oftmals Halbwissen auf Ignoranz, verklärt-romantische Erinnerungsversatzstücke einer wahlweise facebook- oder internetlosen Zeit bedienen sich dann wahllos herbeigezogener Argumentationsschnipsel, vorurteilsdurchtränkte und einer ultra-selektiven Wahrnehmung entspringende "Fakten" (deren kritische Würdigung nicht einmal die erste Betrachtungsebene penetriert hat) werden einem an den Kopf geschleudert, wiederum andere klagen über den horrenden Zeitaufwand und dass dieser ihre Lebensqualität beeinträchtigen würde; und dann kommt noch jene Gruppe von Leuten die unter dem schicken und medienmäßig stark gepushten Schlagwort "Privacy" all die anderen schrecklichen Sachen subsumieren die Facebook zu verursachen geeignet wäre.

Wieviel Schwachsinn ich im Rahmen derartiger Debatten schon gehört habe, damit könnte man mehrere Blog-Beiträge füllen. Und das werde ich wohl auch machen [Ich brauche solche Ansagen, um nicht schon wieder wochenlang nichts zu schreiben.]. Mit einem besonderen Fokus auf die Bereiche Medienkompetenz und Privacy. Weil der weitgehende Mangel an ersterem sowie das ziemlich fehlerhafte Verständnis von zweiterem meiner Ansicht nach wesentlich zu einem verfälschten Bild von sozialen Netzwerken beitragen.



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