24. November 2011

Zwei Mal starb das Wienerlied

Tod n°1: Georg Kreisler ist tot - Von der Wahrheit fortgeschwemmt




Tod n°2: Ludwig Hirsch ist tot




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22. November 2011

CEE-Kredit-Bonanza Adé!

Anschließend an meinen jüngsten Beitrag zum österreichischen Tripple-A (bzw zu dessen de facto Inexistenz und baldiger de jure Aberkennung), drei Informationsschipsel (2 ganz frische, 1 etwas älterer), die ich mal (fast) kommentarlos gegenüberstelle:

16. November 2011

Triple-A, Ade!

AAA - nicht mehr lange
Als Normalo-Bürger müsste das ja einem doch recht seltsam vorkommen; da sah Frau Finanzminister Fekter in ihrer Budgetrede vor knapp einem Monat Österreich "für den rauen Wind" gut gerüstet. Möge rundherum die Welt zusammenbrechen, fest stehe jedoch: "die Republik ist auf sicherem Kurs, auch wenn die Zeiten auf hoher See härter werden sollten".

Das hört man gerne. Man fühlt sich ja gleich viel sicherer, wenn der mit pathetischen Metaphern um sich werfende Kapitän seiner Crew versichern will, dass man für alles vorgesorgt habe. Unabhängig von Poseidons Tsunami in der Ägäis; unbekümmert von Neptuns entfesselnden Untrieben zwischen adriatischem und tyrrhenischem Meer, und trotz all der anderen Unbillen im Zusammenhang mit der mittlerweile schon seit längerer Zeit schwelenden, auf immer mehr Länder überschwappenden Finanzkrise: das Schiff Austria ist weiterhin auf Triple-A Kurs, mia san mia, und überhaupt.

6. November 2011

Paul Schulmeister - sein letzter Artikel zur Shoah

Paul Schulmeister ist tot. Mehr zu seiner Person:

http://kurier.at/kultur/4312373.php

http://diepresse.com/home/kultur/medien/706278/Paul-Schulmeister_Bedingungslos-ernsthaft

http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/kultur/orf/2870399/kaempfer-fuer-ein-weltoffenes-land.story

In seinem vor wenigen Tagen in der Presse erschienenen, letzten Artikel "Wird die Erinnerung an die Shoah leer und kraftlos werden?" setzt er sich mit dem Holocaust ("Niemals vergessen") als "einzigartigem Zivilisationsbruch" auseinander, weist auf mangelndes Geschichtswissen und den schwelenden Antisemitismus hin, nicht ohne dabei die Rolle Israels als Projektions- und Angriffsfläche für antijüdische Ressentiments herauszustreichen. Sicherlich war ihm bewusst, dass ihm nicht mehr viel Zeit blieb (zumindest geht das aus dem Fleischhacker-Nachruf hervor), ich gehe also davon aus, dass ihm diese Thematik ein besonderes Anliegen war.

Und er hat sich mächtig ins Zeug gelegt. Ich kann mich nicht entsinnen, wann mir das letzte Mal ein Beitrag untergekommen ist, der diesen Themenkomplex (Holocaust - Antisemitismus - Israel-"Kritik") auf derart scharfsinnige, konzise, präzise, wortgewandte, elegante, unaufgeregt-trockene und gleichzeitig empathische Art und Weise zu behandeln verstand.

Entwaffnend.

Danke.


Photo credit: clubofrome
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3. November 2011

UNESCO und die Palästinenser

Palästina ist nun Mitglied der UNESCO. Was das jetzt im Klartext bedeutet, wird wohl keiner genau erklären können. Was ist mit "Palästina" gemeint? Trotz der in zahlreichen Medien und in Teilen des Volksmunds geläufigen Bezeichnung "Palästina" muss in Erinnerung gerufen werden dass es eine derartige Benennung offiziell nicht gibt. Korrekterweise müsste man von den "Palästinensischen Autonomiegebieten" sprechen, die das Westjordanland und Gaza umfassen. Wobei ja Gaza innerhalb dieser Autonomiegebiete wiederum selbst ein Autonomiegebiet der etwas anderen Art darstellt, seitdem das Resultat demokratischer Wahlen 2006 durch den Mitte 2007 kulminierenden blutigen Krieg zwischen Fatah und Hamas dahingehend ergänzt wurde, dass letztere ihren politischen Gegner brutal auslöschte und seitdem in Gaza im Alleingang ebenso brutal herrscht (dies auch als Erinnerung für all jene, die Israel in der Pflicht sehen mit der Hamas zu "reden" und die legale Gaza-Blockade aufzuheben, weil man sich doch den Ausgang "demokratischer Wahlen" nicht aussuchen und herrichten könne). Zwar kam es vor einem halben Jahr zu einem halbgaren Versöhnungsabkommen, jedoch existiert dieses nur auf dem Papier, denn bei jeder Gelegenheit geraten die beiden Fraktionen wieder aneinander.

19. Oktober 2011

Gilad Shalit: 1941 Tage, 1027:1, Schnitzel und Pommes

1.027:1. Nein, das ist nicht nur (plus-minus) der Wechselkurs des israelischen Shekels gegenüber dem paraguayischen Guarani. Es ist scheinbar auch der (durch die "Marktteilnehmer" festgesetzte) Wechselkurs für einen Israeli, gemessen in Palästinensern. Wobei es sich im einen Fall um einen vor 1942 Tagen auf israelischem Territorium entführten Soldaten handelt, während auf der anderen Seite die Crème de la Crème des palästinensischen "Widerstands" vorzufinden ist, 1.027 ZeitgenossInnen der teils übelsten Sorte, deren Widerstand so aussah, dass sie der Versuchung, israelische Zivilisten in höchstmöglicher Zahl umzubringen, nicht widerstehen konnten. 599 israelische Menschenleben gehen auf die Kappe dieser Freiheitskämpfer. Hier eine kleine Auswahl, wer sich die gesamte Liste zu Gemüte führen will wird hier fündig.

18. August 2011

Der "Israelische Sommer" - Wutbürger einmal anders

Nein, mit "Israelischer Sommer" sollen hier nicht die brütende Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit gemeint sein, die das ansonsten recht sonnige Klima (das muss nicht unbedingt etwas Gutes sein) des Mittelmeerlandes von Juli bis September in ein zuweilen unerträgliches Heißluftgebläse verwandeln; es ist eine von einigen Journalisten in Anlehung an die (de facto als gescheitert zu bezeichnenden) Aufstände des "Arabischen Frühlings" erfundene Wortkreation. Auch europäische Medien berichteten über die israelische Protestbewegung(en) der vergangenen Wochen in einem Ausmaß, wie man es in Bezug auf dieses Land nur im Kontext des alles andere vereinnahmenden und überdeckenden Nahostkonflitks kennt. Und müssen damit wohl einen großen Teil ihres Klientels gehörig verdutzt haben; schließlich höhlt der stete Tropfen den Stein, und somit assoziiert der durch eine entsprechende Medienberichterstattung konditionierte, durchschnittliche Europäer Israel gemeinhin mit Pejes und Bart tragenden ultraorthodoxen Juden (diese Gruppe macht knapp 10% der Bevölkerung aus, nichtsdestotrotz wird man so gut wie immer ein Foto eines Vertreters dieses Standes serviert bekommen wenn man in den Medien über ein Israel-Thema stolpert, und das ist eine politische und "rassische" (Um-)Definition, die den harmlosen Charakter eines Klischees massiv übersteigt und gefährlich ist), die nix besseres zu tun haben als Palästinenser in Freiluftgefängnisse/Konzentrationslager zu stecken und einen zionistischen Brutalo-Vernichtungskrieg gegen Araber zu führen. Es gibt wohl kaum ein Land, bei/nach dessen Besuch sich die Wahrnehmung von und Einstellung zu selbigem dermaßen radikal ändert wie bei/nach einem Trip nach Israel. Was aber weniger am Land selbst liegt, sondern an den fernab der Realität liegenden Erwartungshaltungen, die ja durch fernab der Realität liegende Formen der Berichterstattung begründet sind.

5. August 2011

Der Euro, die Krise und Europa

Vor ein paar Tagen sah ich zufälligerweise eine Folge der von mir in den letzten Jahren schandhaft vernachlässigten Serie "The West Wing"; in dieser Episode entschließen sich die USA zu einem Bailout der hochverschuldeten Mexikaner, und die ganze Zeit über belästigt die Assistentin des White House Deputy Chief of Staff Josh Lyman ebenselbigen mit der Frage, warum denn nun die USA hart erarbeitetes Steuergeld den wirtschaftlich unfitten Mexikanern in den Rachen werfen wollten. Seine vor Lamento-Pseudo-Großmut, triefendem Pathos und Fremdschäm-Selbstlosigkeit strotzende Antwort: "Mexico's on fire. Why help them? Because we can".

26. Mai 2011

Fußball und Chaos - Das Wiener Derby als Tipping Point?

Rapid-Fans auf dem Vormarsch
Was hätte Elias Canetti dazu geschrieben. Der große Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger wohnte einige Jahre in nächster Nähe zur Spielstätte von Rapid, deren Fans ihn seinerzeit in vielerlei Hinsicht bei der Arbeit an seinem Werk "Masse und Macht" inspiriert hatten.

"Während der sechs Jahre, die ich dieses Zimmer bewohnte, versäumte ich keine Gelegenheit, diese Laute zu hören. Den Zustrom der Menschen sah ich unten bei der Stadtbahnstation. Es fällt mir schwer, die Spannung zu beschreiben, mit der ich dem unsichtbaren Match aus der Ferne folgte. Es waren zwei Massen, das war alles, was ich wußte, von gleicher Erregbarkeit beide und sie sprachen dieselbe Sprache. Manchmal saß ich während des Ereignisses am Tisch in der Mitte meines Zimmers und schrieb. Aber was immer es war, was ich schrieb, kein Laut vom Rapid-Platz entging mir. In Manuskripten jener Zeit, die ich bewahrt habe, glaube ich noch heute jede Stelle eines solchen Lautes zu erkennen, als wäre er durch eine geheime Notenschrift bezeichnet."

23. Mai 2011

Die wunderschöne Welt der Androids

nce upon a time, in a Galaxy far far away, in the kingdom of Xperialived a Hero named Ace who was so in love with princess Aria that he even had her name as a Tattoo on his chest. She was the girl of his Dreamand his Desire for her was absolutely Incredible. But the evil Droid by the name of Optimus was also Mesmerized by the Captivant beauty of the princess to whose Charms he succumbed and he Devoured himself because of her, every single day, every single night. Inspired by the latest comic he read, he decided to kidnap her, and to Transform her into a Droid too, with the help of a Magic potion. So he waited for the right Moment, Intercepted her on her way back home to her castle and took her to his lair. The news about the princess' abduction spread like a Wildfire through XperiaTeos the king and Spica the queen were devastated. And so was Ace. At once, he made himself ready for rescuing Aria. But he knew that Optimus was a powerful opponent and that he would need help in order to Defy him. So Teos gave him a sword that - according to an acient Legend - was able to fire deadly Thunderboltss if - AND IF ONLY! - the wielder of the Blade had true love inside him. So Ace went to Optimus' lair and shouted with his vibrant voice: "BeholdOptimus! Release the princess or you're gonna die!" [... blabla, they fight, ace wins because he has true love inside him, so the thunderbolts are killing optimus, and - what a Sensation! - ace+aria lived happily ever after, etcblah. i ran out of android-device names, sorry.. but you got the message].

8. Mai 2011

Osama ist tot - und das ist gut so. Oder doch nicht?

Es gibt nicht viele (geo)politische Ereignisse, die eine prägende Wirkung auf die Menschen ihrer Zeit zu entfalten imstande sind. Der Fall des Eisernen Vorhangs 1989 hätte für mich ein derartiges Ereignis darstellen können, wäre ich da nicht noch um ein kleines Alzerl zu jung gewesen um die gesamte Tragweite des Sturzes des Kommunismus zu erfassen und einordnen zu können. Der Anblick vieler Menschen, die voller Freude auf einer bröckelnden Mauer herumtanzten, das war für mich zwar schön zum Anschauen, aber richtig erschließen wollte sich mir die Bedeutung dieses Moments (trotz osteuropäischer, dem Kommunismus entflohener Eltern) da nicht wirklich. 2000 kam dann Schwarz-Blau und zum ersten Mal hatte ich - auch wenn sich's ja bloß um den kleinen österreichischen Mikrokosmos handelte - das Gefühl, dass hier etwas Bedeutsames (in diesem Fall natürlich im negativen Sinn) passiert war. Eine Zäsur, politisch wie auch gesellschaftlich, die dieses Land über die nächsten Jahre hinweg maßgeblich beeinflussen und nachhaltig verändern sollte.

5. April 2011

Goldstone revidiert - Wen interessiert's?

"Die Kommission kam zu dem Schluss, dass die Aktionen des israelischen Militärs auf Kriegsverbrechen und in mancher Beziehung vielleicht auch auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit hinauslaufen"
Richard Goldstone
Dies die Essenz des im Herbst 2009 publizierten sogenannten "Goldstone-Berichts", der somit haargenau jenes Ergebnis herbeiführte, welches der UN-Menschenrechtsrat im Auge hatte als er diesen Bericht in Auftrag gab. Der UN-Menschenrechtsrat (und dessen Vorgänger, die UN-Menschenrechtskommission), das ist jenes groteske Gremium, das sich der einseitigen Anprangerung und Verfolgung jeglicher Regung Israels und somit der schleichenden Delegitimierung des jüdischen Staates verschrieben hat; so kommt es, dass rund die Hälfte aller dort beschlossenen Resolutionen und Entscheidungen Israel als Adressaten aufweisen, während zB unter dem Deckmantel der Bekämpfung von "Islamophobie" der islamische Block mit seiner komfortablen Mehrheit jegliche Kritik an islamischen Regimes und der dort herrschenden Misere im Bereich der Menschenrechte abschmettern konnte.

25. März 2011

Mittendrin statt nur dabei - Israel und die Umwälzungen in der muslimischen Welt

23. März 2011: Terror in Jerusalem
Es war ja nur eine Frage der Zeit, bis Israel in den Strudel der Gewalt hineingezogen wird, der seit einigen Wochen die seit Jahrzehnten bestehenden Herrschaftsstrukturen in der islamischen Welt hinweggefegt hat bzw. sie gehörig auf die Probe stellt. Viel ist von Israels Rolle in diesem Umwälzungsprozess die Rede gewesen, vor allem angesichts der Tatsache, dass der jüdische Staat äußerst misstrauisch auf die im Westen heftig akklamierten Regimewechsel reagierte. Natürlich ist es nur wünschenswert, wenn Regime wie jene von Mubarak und Ben Ali beseitigt werden - noch dazu von ihrer eigenen Bevölkerung und nicht durch ein Eingreifen von außen. Dass jedoch auf etwas Schlechtes etwas noch Schlechteres folgen könnte, das hat schon die verunglückte iranische Revolution von 1979 gezeigt.