25. März 2011

Mittendrin statt nur dabei - Israel und die Umwälzungen in der muslimischen Welt

23. März 2011: Terror in Jerusalem
Es war ja nur eine Frage der Zeit, bis Israel in den Strudel der Gewalt hineingezogen wird, der seit einigen Wochen die seit Jahrzehnten bestehenden Herrschaftsstrukturen in der islamischen Welt hinweggefegt hat bzw. sie gehörig auf die Probe stellt. Viel ist von Israels Rolle in diesem Umwälzungsprozess die Rede gewesen, vor allem angesichts der Tatsache, dass der jüdische Staat äußerst misstrauisch auf die im Westen heftig akklamierten Regimewechsel reagierte. Natürlich ist es nur wünschenswert, wenn Regime wie jene von Mubarak und Ben Ali beseitigt werden - noch dazu von ihrer eigenen Bevölkerung und nicht durch ein Eingreifen von außen. Dass jedoch auf etwas Schlechtes etwas noch Schlechteres folgen könnte, das hat schon die verunglückte iranische Revolution von 1979 gezeigt.


Und während man es sich relativ einfach machen kann, aus den hinteren Rängen gemütlich das Geschehen mit einer in einem gewissen Ausmaß gerechtfertigten Portion Optimismus zu verfolgen (ob naiv oder nicht sei einmal dahingestellt), so wird man dem dieses Geschehen aus der ersten Reihe fußfrei beiwohnenden jüdischen Staat zugestehen müssen, angesichts des Flächenbrands in der gesamten Region eine gewisse Skepsis und angemessenes Misstrauen an den Tag zu legen. Stattdessen wirft man aus sicherer Entfernung immer wieder Popcorn auf die ganz vorne sitzenden Israelis, wirft ihnen vor, als einzige Demokratie in der Region keine andere Demokratie zulassen und sich nur mit Diktatoren arrangieren zu wollen, und fordert dann zum x-ten mal jene unsinnige Bringschuld Israels im Friedensprozess ein, derzufolge die Israelis jetzt doch die "einmalige" Chance nützen sollten um mit den Palästinensern endlich Frieden zu schließen.

Blöderweise kommen diese "Ratschläge" dann noch oft von denselben Leuten, die den "bloßfüßigen" ("die können ja nicht anders") Muslimen noch vor kurzem im Sinne des guten alten Kulturrelativismus' implizit die Fähigkeit absprachen, überhaupt in von universalen Menschenrechten geprägten Demokratien leben zu können. Ein Kulturrelativismus, der einerseits rassistisch ist, andererseits jenen islamistischen Strömungen einen Persilschein ausstellt, die nie und nimmer in einer Demokratie leben wollen, weil das ihrer religiös-faschistoiden Ideologie zuwiderläuft und für die grundlegendste Menschenrechte eben nur ein Konzept des Westens sind, das nicht überall Anwendung finden müsse. Schaut so aus, als ob das die Betroffenen selbst anders sehen und sich mit ihrer ihnen von außen aufgedrängten Rolle als Kulturrelativierte nicht abfinden wollen. Mit blutigen Konsequenzen.

Denn während noch immer ein großer Teil der Menschen der Meinung ist, Israel wäre die größte Gefahr für den Weltfrieden..
  • tobt in Libyen ein Krieg mit UN-Mandat, weil der dortige Diktator ein Blutbad angekündigt hat;
  • ist im Libanon der nächste Bürgerkrieg ohnehin nur eine Frage der Zeit;
  • hat in Syrien das Assad-Regime ebenfalls schon damit begonnen die eigene Bevölkerung niederzuschießen zu massakrieren;
  • wird's auch im benachbarten Jordanien immer unruhiger;
  • ist Saudi-Arabien im benachbarten Bahrain einmarschiert um die schiitische Revolution mit Waffengewalt zu unterbinden
  • während man auch zuhause mit zunehmenden Protesten zu  kämpfen hat;
  • gehen im Iran die gewalttätigen Repressionen gegen Protestierende wie eh und je weiter;
  • zeichnet sich im Jemen das Ende des dortigen Regimes ab, nicht unblutig wohlgemerkt;
  • und auch in Marokko, Algerien und im Oman wollen die mehr oder weniger starken Proteste nicht abschwellen.
Bunter, schöner, interaktiver: hier ("lustig" bzw originell, dass hier auch Israel verzeichnet ist).

Was natürlich auch Konsequenzen auf die Situation in den besetzten Gebieten in Israel hat. Denn Auslöser für die Protest- und Revolutionsbewegungen waren nicht irgendwelche diffuse Gründe (zb die pösen Zionisten), sondern die beinharte Unzufriedenheit einer sozial und wirtschaftlich dahindarbenden Bevölkerung, die ihrer Kleptokratien satt geworden ist, weil ebendieses Sättigungsbedürfnis nicht einmal mehr durch Essen gestillt werden konnte.

Und das ist in den palästinensischen Gebieten nicht anders. In Gaza, dem allseits bekannten "Konzentrationslager" in dem die Israelis einen schleichenden "Genozid" an den Palästinensern verüben, gibt es zwar mittlerweile allerlei lustige Sachen die einen das ganze schon ziemlich an Auschwitz erinnern lassen; dennoch haben auch dort die Menschen die ewige Pallywood-Rolle als vermeintlich ausgehungerte, staatsterrorisierte, vor Ruinen posierende, an Checkpoints gedemütigte Opfer satt. Denn die Gazaner sind zwar erwiesenermaßen das am höchsten subventionierte Volk der Welt, jedoch bekommen sie davon nur relativ wenig mit. Außer dass es sich ein paar Hamas-Führer gut gehen lassen und eher am eigenen Wohlergehen und der Endlösung der Judenfrage interessiert sind als am Wohlbefinden der eigenen Leute. Stattdessen darf man sich mit einer immer weiter voranschreitenden Islamisierung des Alltags begnügen sowie der ehrenhaften Rolle als massenmedial verwertbares Schutzschild, wenn die Hamas und andere Terrororganisationen sich dazu entschließen ihre militärischen Assets in Wohngebieten zu platzieren. Schutzschild für Terroristen und Faustpfand/Kanonenfutter für die muslimische Welt, der noch nie was am Wohlergehen der Palästinenser gelegen ist (im Libanon und in Jordanien werden sie wie der letzte Dreck behandelt), irgendwann einmal hat man auch davon die Schnauze voll. Und demonstriert dagegen. Und wird darob nierdeknüppelt.

Und hier kommt Israel ins Spiel. Denn so sehr man den zionistischen Erzfeind auch vernichten will: er ist unersetzlich wenn es darum geht, der Bevölkerung ein nicht zu übertrumpfendes, gemeinsames Hassobjekt als Projektionsfläche anzudienen, das dann auch sogleich von den eigenen Konflikten, Problemen und Unzulänglichkeiten ablenken soll. Es verwundert daher nicht, dass Mubarak von den protestierenden als Zionist porträtiert wurde, während sich in Libyen Gadaffi und die Rebellen gegen- und wechselseitig als Juden und dergleichen bezeichneten. Egal ob Schiiten vs Sunniten, Fatah vs Hamas, blah vs blablah - der kleinste gemeinsame Nenner ist der populistisch verwertbare Judenhass, auf den wird man sich immer einigen können. Auch wenn die Herrschenden andere Prioritäten haben.

Und es überrascht somit auch nicht, dass den palästinensischen Terroristen von Hamas & Co (und bitte: die EU selbst bezeichnet die Hamas höchstoffiziell als Terrororganisation, demokratische Wahlen hin oder her; dennoch wird man in Europa niemals einen Zeitungsartikel finden in dem diese Bezeichnung Anwendung finden wird) gerade zum jetzigen, heiklen Zeitpunkt sehr daran gelegen ist, wieder ein wenig an der Eskalationsschraube zu drehen. Der bestialische 5fach-Mord in Itamar; der erste Terroranschlag in Jerusalem seit mehreren Jahren; ein seit 2 Jahren nicht mehr dagewesener Raketenhagel auf israelisches Territorium. Mit Erfolg, denn natürlich hat es bei den israelischen Gegenschlägen schon die erhofften zivilen Kollateral-Opfer gegeben. Ablenkung gelungen, Reihen gefestigt. Aber keine Angst: der nächste große Waffengang kommt bestimmt, denn es entspricht der immanenten Logik der vernichtungsantisemitischen Hamas und ihrer Glaubensbrüder, dass ein Frieden nur dann erreicht werden kann wenn alle Juden tot sind.

Skepsis ist somit das mindeste der Gefühle, denen sich Israel angesichts der dramatischen Veränderungen, die in diesen Tagen und Wochen ringsherum geschehen, hingeben darf und muss. Denn leere Bäuche mögen zwar der Auslöser für die Umsturzbewegungen gewesen sein. Der jahrzehntelang eingetrichterte Hass auf Juden ist jedoch auch weiterhin in breiten Teilen der Bevölkerung vorhanden und wird ebenso weiterhin kultiviert. Man soll natürlich hoffen dürfen und darauf hinarbeiten müssen, dass der sogenannte "arabische Frühling" den Weg zu einer aufgeklärten, die Menschenrechte respektierenden, friedlichen Region ebnet. Und man sollte vor allem auch jenen Kräften, die sich glaubhaft für diese Ziele einzusetzen bereit sind, vollste Unterstützung zukommen lassen. Euphorie kann jedoch sehr leicht zu Naivität führen. Und das ist ein Luxus, den sich das tagtäglich um seine Existenz ringende Israel im Gegensatz zu allen anderen auf gar keinen Fall leisten kann.


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