29. Januar 2012

Der Stolz des narbengesichtigen Deutschtums - WKR und ABC

Es ist ja nicht das erste Mal, dass sich eine ORF-Diskussionssendung in das Gebiet Rechtsextremismus wagt. Und genauso wie auch in der jüngeren Vergangenheit scheitert auch der vorliegende Versuch, diesen Themenkomplex in ein derartiges Format zu packen. Sei es nun aufgrund schlechter und schlecht vorbereiteten Moderation (wo dann die (Neo)nazi-Barden Frank Rennicke und Michael Müller verwechselt werden) oder aufgrund einer nicht einmal mediokren Einladungspolitik. Wieoft noch wird man einen schlierig-jovialen Lothar Höbelt zu sehen bekommen, der durch gefinkelte, akademische Rhetorik verschleierte, rechtsextreme Apologetik betreibt und bspw die berechtigte Empörung von Österreichern über die ideologischen Nachfahren des Dritten Reichs als "Luxusdebatte" verhöhnt, nur weil diese Empörung in der ersten Phase nach dem Krieg nicht existiert hat, weil die gerade eben der Massenvernichtung entronnenen allzusehr mit dem blanken Überleben und der physischen wie psychischen Aufarbeitung der Unfassbarkeiten beschäftigt waren. Und das in einem Umfeld, in dem das sich zynischerweise (auch heutzutage noch, wenngleich nicht mehr hochoffiziell) als erstes Opfer Nazi-Deutschlands verstehende Österreich die sogenannte Entnazifizierung zu einer quasi Blanko-Rehabilitation der österreichischen Nationalsozialisten verkuscheln ließ.