4. März 2013

Die Feigheit der Europäer vor dem Hisbollah-Krokodil

Nazi-Symbolik als ideologischer Bestandteil der Hisbollah
Die Hisbollah steht zur Zeit gleich an mehreren Fronten vor entscheidenden Weichenstellungen.

- Ihr Anführer Hassan Nasrallah bedindet sich Gerüchten zufolge zwecks Krebsbehandlung im Iran.

- "Blödes" Timing, denn seine Nummer 2, Scheich Naim Qassem wurde unterschiedlichen Berichten zufolge von syrischen Rebellen verletzt oder gar getötet.

- Gar so "blöd" war dieses Timing dann vielleicht doch nicht, schien Naim Qassem seinem Boss ziemlich im Nacken gesessen zu sein, was wohl als Hinweis auf einen internen Machtkampf zu werten ist.

- Hisbollahs Nummer 2 wäre weder das erste, noch das letzte Mitglied der Terrororganisation gewesen, das in Syrien der Märtyrertod ereilte. Von dem Moment an, als die friedlichen Demonstrationen in Syrien zum Bürgerkrieg mutierten, unterstützte die Hisbollah auf Geheiß ihrer Finanziers im Iran (200 Millionen US-Dollar sollen jährlich aus Teheran fließen) das Assad-Regime mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, nicht zuletzt mit Kämpfern. Es ist mittlerweile schon lange nicht einmal mehr ein offenes Geheimnis, dass die Hisbollah als maßgeblicher Akteur am Krieg gegen die sunnitische FSA beteiligt ist.

- Vor wenigen Tagen ließ letztere ihrer mit einem Ultimatum untermauerten Drohung Taten folgen und nahm erstmalig Hisbollah-Stellungen im Libanon unter Beschuss. Was jetzt wohl zur Öffnung einer weiteren Front führen wird, so ist zumindest der eben erfolge Beschuss der FSA durch die Armee des von Schiiten regierten Irak zu verstehen. Desweiteren sickern auch sunnitische Gruppen aus dem Libanon in Syrien ein und unterstützen die FSA.

- Vor kurzem rang sich die  bulgarische Regierung nach langem Zögern und Verzögern dazu durch, die Hisbollah explizit der Urheberschaft für den Terroranschlag am 18. Juli 2012 in Burgas zu beschuldigen, bei dem 5 israelische Touristen sowie ein bulgarischer Busfahrer den Tod fanden, mehrere Dutzend verletzt wurden.

- Währenddessen befördert in Zypern der Prozess gegen den wenige Tage vor dem Burgas-Anschlag festgenommenen 24-jährigen Hossam Taleb Yaacoub, einem schwedisch-libanesischen Doppelstaatsbürger, zahlreiche aufschlussreiche und besorgniserregende Erkenntnisse über die Hisbollah und deren extensive Aktivitäten in Europa ans Tageslicht.

In diesem Kontext könnte sich die EU nun vielleicht gezwungen sehen, die Hisbollah auf ihre Liste der Terrororganisationen zu setzen. Ein solcher Schritt, der ohnehin viel zu spät käme, hätte schwerwiegende Konsequenzen für die "Partei Gottes". Zuallererst finanzieller Natur. Denn zur Zeit kann sie in Europa "Spenden sammeln als wäre sie das Rote Kreuz". Außer in Großbritannien und neuerdings auch in den Niederlanden, wo sie tatsächlich als Terrororganisation geführt wird (wobei in GB die unsinnige Unterscheidung zwischen einem "politischen" und einem "militärischen" Flügel getroffen wurde). In Deutschland können die etwa 1000 Aktivisten frei agieren und gemeinnützige Vereine mit klingenden Namen wie "Waisenkinder Libanon" ungehindert Gelder für die Terroraktivitäten der Hisbollah einsammeln. In Österreich sind auf einschlägigen Demonstrationen regelmäßig die bekannten gelb-grünen Fahnen zu sehen.

Dass Europa davor zurückschreckt, dem offensichtlichen die entsprechenden Konsequenzen folgen zu lassen, ist vor allem auf eines zurückzuführen: Feigheit.

Man weiß um die zahlreichen Hisbollah-"Aktivisten" in Europa; die oben angesprochenen Offenbarungen des Zypern-Prozesses bestätigen ohnehin nur das, was ohnehin schon jederman wusste; nämlich dass die Hisbollah hier eine bestens ausgestattete und organisierte Terror-Infrastruktur betreibt. Entsprechend einem unausgesprochenen "Gentlemens' Agreement" lässt man sich allerdings gegenseitig in Ruhe; ich mach dir nix, du machst mir nix. Wir lassen euch hier rekrutieren, trainieren, finanzielle Mittel sammeln, Terroranschläge vorbereiten und organisatorische Strukturen aufbauen; dafür tut ihr uns bitte nichts. Das Problem einer derartigen Strategie, abgesehen von ihrem feigen und moralisch verwerflichen Charakter: sie kann von einem Tag auf den anderen hinfällig werden. Ändern sich die geopolitischen Gegebenheiten, so kann sich diese terroristische Infrastruktur von einem Moment auf den anderen gegen die bisherigen Gewährer wenden.

Der Feigling EU versteckt sich somit hinter fadenscheinigen Argumenten bzw saugt sich diese aus den Fingern.

Das widersinnigste ist die vorhin erwähnte nebulöse Unterteilung der Hisbollah in einen "militärischen" sowie einen "sozialen und politischen" Flügel. Die abstruse Natur dieser Unterscheidung lässt sich schon allein daran erkennen, dass diese nicht einmal im Libanon, und schon gar nicht von der Hisbollah selbst anerkannt wird. Ganz im Gegenteil. Der oben genannte Naim Qassem bestand vor einigen Monaten nicht nur darauf, dass eine derartige Unterscheidung nicht existiere - er wies sie vehement zurück:
"We don’t have a military wing and a political wing. We don’t have the Party of Allah and the Party of Resistance. These differences do not exist and are rejected"
Während die Europäer hier also versuchen, sich mithilfe einer Fiktion aus der Verantwortung zu stehlen, vertreten sie zusätzlich die kühne Auffassung, eine Brandmarkung der Hisbollah als Terrororganisation würde die gesamte Region zusätzlich destabilisieren. Schließlich ist ja die Hisbollah gewählter Teil der libanesischen Regierung, in einem Land also, das schon seit jeher aufgrund seiner konfessionellen Zersplitterung permanent auseinanderzufallen droht. Man dürfe also die instabile (gesellschafts)politische Situation dieses Landes nicht noch zusätzlich erschüttern, vor allem angesichts der Tatsache dass der "arabische Frühling" fast die gesamte Region bereits in ein teilweise tiefes und blutiges Chaos gestürzt hat.

Mit diesem Raisonnement erweist man allerdings dem Libanon und der gesamten Region einen Bärendienst.

Natürlich sitzt die Hisbollah demokratisch gewählt im libanesischen Parlament. Tatsächlich hält sie jedoch das gesamte Land in Geiselhaft, vor allem aufgrund ihrer militärischen Unantastbarkeit und Quasi-Monopolstellung. Zwar wurde sie 2004 via UN-Resolution zur vollständigen Entwaffnung verpflichtet, im Endeffekt hat sie ihre militärische Schlagkraft seitdem sowohl quantitativ als auch qualitativ vervielfacht. Es gilt als gesichert dass sie hinter dem Attentat auf Rafiq Hariri steckt, welches als Auslöser für die Zedernrevolution gilt. Das daraufhin eingesetzte UN-Tribunal rang sich Mitte 2011 nach mehreren Jahren zur Ausstellung eines Haftbefehls gegen 4 Hisbollah-Mitglieder durch; ihre Auslieferung ist auch weiterhin ausständig. Die dräuende Bezichtigung der Schiitenmiliz veranlasste diese Anfang 2011 die Regierung zu stürzen und mit der gewaltsamen Machtübernahme zu drohen.

Im Sommer 2006 entführte und tötete die Hisbollah 2 israelische Soldaten auf israelischem Territorium und startete damit den Zweiten Libanonkrieg. 2008 artete eine 1,5-jährige politische Krise im Libanon zu einem Mini-Bürgerkrieg aus, im Rahmen dessen die Hisbollah ihre Muskeln spielen ließ und allen Beteiligten zu verstehen gab, wer der Herr im Haus ist. Nun ist sie seit 2 Jahren im syrischen Bürgerkrieg verwickelt und droht den Libanon in diesen Konflikt hineinzuziehen.

Zeitgleich bereitet sie sich schon auf den nächsten Krieg mit Israel vor. Denn entgegen der UN-Resolution 1559 (und damit zusammenhängend UN-Resolution 1701) konnte die Hisbollah massiv aufrüsten und verfügt nun über mindestens 60.000 Raketen größtenteils iranischer Produktion, die so gut wie ganz Israel treffen können. Auch Scud-Raketen werden in ihrem Besitz vermutet. Und im Falle/Zuge des Zusammenbruchs des Assad-Regimes könnten dessen modernere Waffen an die schiitische Miliz gehen. Fürderhin scheint sie den Süden des Libanon in einen großen Schützengraben verwandeln zu wollen, samt zahlreicher ziviler Schutzschilder, indem sie in der Region Hundertschaften an schiitischen Familien angesiedelt hat, denen man kostengünstigst Logis zur Verfügung stellte um diese im Gegenzug als Raketenlager und -abschussrampe nutzen zu dürfen.

Im Libanon selbst ist die Hisbollah schon lange nicht mehr unumstritten, Unmut macht sich angesichts der Tatsache breit, dass die Hisbollah das fragile Land wieder in einen externen Konflikt zieht, der weniger den Interessen des libanesischen Volkes denn jenen seiner Herren in Teheran dient.

Die Hisbollah ist also in mehrfacher Hinsicht einer der größten Instabilitätsfaktoren im Nahen Osten, und das weit über den Konflikt mit Israel hinaus. Der Frieden im Libanon ist tatsächlich ein höchst zerbrechlicher; sich den Preis für die Beibehaltung dieses oberflächlichen, brüchigen Friedens erkaufen zu wollen indem man eine Terrororganisation samt ihrer iranischen Handlanger das gesamte Land und die Region in Geiselhaft nehmen lässt, ist kursichtig und falsch. Zurecht die Empörung zahlreicher europäischer Politiker angesichts der Aussage des EU-Antiterrorkoordinators Gilles de Kerchove, der mit Bezugnahme auf diese Argumentationslinie allen Ernstes erklärte, dass selbst wenn man klipp und klar beweisen könne, dass die Hisbollah hinter dem Terroranschlag in Burgas steht, man sie nicht automatisch als Terrororganisation einstufen müsse. Aha. Seine meisterlich-logischen Ausführungen können im Detail hier nachgelesen werden.

Die Hisbollah ist Terror pur. Ihre Geschichte ist blutdurchtränkt, ihr Track Record spektakulär. Eine präzise Auflistung all ihrer Terroraktivitäten, von den Gemetzeln gegen amerikanische und französische Soldaten bishin zu den größtenteils vereitelten Attentaten der jüngeren Vergangenheit gegen israelische und jüdische Ziele in Aserbaidschan, Bulgarien, Zypern, Thailand, Indien und Georgien findet sich hier. Die Hisbollah ist, wie der ehemalige US-Vizeaußenminister Richard Armitage formulierte, "das A-Team der Terroristen".

Schon Churchill wusste angesichts der Apeasementpolitik der Europäer gegenüber den aufstrebenden Nazis: "Ein Beschwichtiger ist derjenige, der ein Krokodil füttert, in der Hoffnung, es frißt ihn zuletzt".

Nun, das Krokodil hat nun nicht nur Juden getötet, sondern zum ersten Mal auch einen EU-Bürger auf EU-Territorium gefressen. Die Frage - die eigentlich eine rhetorische sein sollte - ist, ob die Beschwichtiger auch weiterhin feige und unehrenhaft beschwichtigen, den Vollblut(!)-Terroristen auch weiterhin Carte Blanche für ihre Terror-Untaten (und deren Vorbereitung, Finanzierung) geben wollen oder lieber das ohnehin unumgängliche, sich faktisch wie moralisch regelrecht aufoktroyierende Ende mit Schrecken anzustreben gedenken. In Österreich muss man sich beispielsweise konkret die Frage stellen, ob man die expliziten Drohungen des iranischen Außenministers, die dieser vor wenigen Tagen bei seinem Wien-Besuch gegenüber österreichischen Kritikern seines Regimes (dessen Kettenhund die Hisbollah ja ist) ausgesprochen hat, nicht vielleicht doch Ernst nehmen und als Denkanstoß für eine Kursänderung nutzen sollte, statt dem Krokodil lächelnd die Hand zu schütteln.


photo credit: cthulhu19887

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