4. August 2015

Österreich: Düstere Kälte trotz Hitzerekorden

Dass es immer düsterer wird in Österreich merkt man nicht nur am künstlich von den (in ihrer Fantasie noch immer großen) Regierungsparteien herbeigeführten Asyldesaster. Die Schockstarre, mit welcher hier die Entscheidungsträger in den Umfrage-Rückspiegel schauen, in dem sie eine immer schneller heranrollende und immer rabiater hupende FPÖ erblicken, treibt so gar nicht seltsame, dafür aber zuhauf fallende rote und schwarze Blüten; Da wäre zum Beispiel das mit zynisch-bürokratischen Worten begleitete Herumlavieren rund um die zur höheren Gewalt stilisierte Flüchtlingsthematik, welches jedoch einen entscheidenden Subtext mit und in sich trägt: zum einen ist es eine a priori Abschreckungs-Anti-Werbung für potenzielle, österreichinteressierte Flüchtlinge, welche sich angesichts des "Asylchaos" doch lieber ein anderes Land aussuchen mögen bevor sie dann hier unter freiem Himmel und Autobussen übernachten dürfen, sowie von allerlei freundlichen Gestalten mit allem Pomp empfangen und von anderen freundlichen Gestalten zu einer Softgun-Partie eingeladen werden (denn diese wählerischen Flüchtlinge suchen sich ja ihre Fluchtdestinationen genauso aus wie unsereins das nächste Urlaubsziel).


Zum anderen ist es eine Message an den potenziell zur FPÖ wechselnden österreichischen "Asylkritiker", welchem vor Augen geführt werden soll, dass man doch genauso grausig sein kann wie Strache und Co, das Kreuz in der Wahlzelle also ruhig dort bleiben könne wo es das letzte Mal auch war. Das ändert natürlich gar nichts daran, dass vor allem die "Flüchtlingsfrage" zu einem weiteren Flüchtlingsstrom führt, nämlich jenem des Wahlvolks weg von den Copycat-Altparteien hin in die Arme der blauen Heil-sversprecher. Doch die Noch-Groß-Koalitionäre haben noch immer nicht verrissen, dass das Schüren von Hass und Hetze sich zwar hervorragend als Treibstoff für Blau eignet, sie selbst jedoch im Umgang mit diesem Treibstoff viel zu ungeübt sind, als dass sie damit im Rennen um die Wählergunst punkten könnten. So kommt es, dass die schockstarr von Profihassern und -hetzern getriebenen rotschwarzen Nachahmungstäter im Rennen auf dem Highway to Hell ins Hintertreffen gerieten und selbiges wohl auf Dauer nicht mehr verlassen werden.


Doch nicht nur dem fremden Flüchtlingsströmling und dem Asylbetrüger bläst die austriakische Kälte auch in diesem besonders heißen Sommer scharf entgegen. Auch für den braven Einheimischen wird es unangenehm. ÖVPler Schelling hat schon mal kurz angepustet als er eine Reduzierung des Arbeitslosengeldes ventilierte, sein SPÖ-Kollege Hundstorfer vom (unter anderem-)Sozialministerium ist schon seit längerem mit dem Kärcher unterwegs, mithilfe dessen die Überbleibsel des nach Schwarz-Blau/Orange verbliebenen Sozialstaats noch weggemacht werden sollen, widerspruchs- und widerstandslos. Vorbild und Endziel ist hier wahrscheinlich das Europa mit dem Austeritätsfetisch fest in die Mangel nehmende Deutschland, dessen totaler Krieg gegen den Sozialstaat (aka Agenda2010/Hartz-IV, übrigens vollbracht von Rot-Grün) zusammen mit einer traditionell "maßvollen" Lohnpolitik maßgeblich am deutschen Wirtschaftserfolg der letzten 10 Jahre beteiligt waren. Dass Österreich in ebendiesen 10 Jahren puncto Wettbewerbsfähigkeit hinter den großen Bruder zurückgefallen ist kann ja kein Zufall sein, denkt man sich hierzulande, also sollte man wohl am besten hinunter nivellieren.


Währenddessen riecht das Dritte Lager mehr und mehr Regierungslunte, und je mehr es dies tut, desto mehr traut es sich; je düsterer und kälter es wird, desto mutiger wird man, nicht nur was den Komplex Asyl/Flüchtlinge - der ja ohnehin ein Selbstläufer ist - betrifft, sondern auch auf tief originär-ideologischer Ebene. Tabubruch war einmal, denn in stürmischen Zeiten der permanenten Krise (Wirtschafts-, Griechenland-, Flüchtlings-, Finanz-, Russland-, younameit-Krise), in Zeiten in denen die SPÖ immer weniger Berührungsängste zur FPÖ hat, in Zeiten in denen eine Partei nonchalant auf Politiker-Einkaufstour geht und sich in nie dagewesener Form eine Handvoll Abtrünniger von einer anderen dahinsiechenden Partei krallt, in Zeiten genereller, tief verwurzelter Unsicherheit, ja in solchen Zeiten darf man sich nicht wundern wenn Grenzen ausgetestet werden und Hemmungen fallen. So geschehen zum Beispiel im rechtsextremen, FPÖ-nahen Monatsmagazin "Die Aula", welches sich nun schon den 2. Monat in Folge der obszönen Verspottung und Verhöhnung von allem, was mit Konzentrationslagern zu tun hat, verschrieben hat. Siehe hier und da. Wenn der politische Cordon Sanitaire nicht nur nicht hält, sondern die Grenzen zwischen Sozialdemokratie und christlichsozialem Bürgertum (diese Zuschreibungen sind schon lange nicht mehr Programm) einerseits, sowie Freiheitlichen andererseits mehr und mehr verschwimmen, weshalb sollten letztere dann nicht den Einsatz noch einmal erhöhen?

Düster ist's, und kalt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen